Tee Time

Sibylle Ambs, Agenturtexterin, stand neulich zweimal sieben Stunden auf dem Golfplatz. Ihr Rückblick.

Das war erst der Anfang. Der lange Weg zur Platzerlaubnis oder wie es sich anfühlt, als absoluter Nichtskönner an einem regnerischen Samstagmorgen auf dem Golfrasen aufzuschlagen.

«Es gilt, einen Ball (mindestens 42,67 mm Durchmesser, Gewicht höchstens 45,93 Gramm) mit möglichst wenigen Schlägen von einer als Abschlag bezeichneten Fläche in Übereinstimmung mit den Golfregeln in ein 10,8 cm durchmessendes und in der Regel mehrere hundert Meter entferntes, kreisrundes Loch zu spielen.» (Quelle: Wikipedia). So far, so good – würde Ian sagen. Seines Zeichens Schotte hat er die (undankbare?) Aufgabe, mir, meinem Sparringpartner und vier weiteren Unwissendes die Grundregeln des Golfsports näher zu bringen. Nach insgesamt 28 Stunden und zwei Wochenenden sollten wir alle im Stande sein, den 6-Loch-Platz innerhalb einer Stunde spielen zu können … Platzerlaubnis, heisst das dann im Fachjargon.

Der Weg ist das Ziel?

Noch ein Wort zu Ian: Der Mann geht gegen 60 und kommt, wie erwähnt, aus der Heimat des Golfsports. Schon bald vermuten ich und meine tapferen Mitstreiter, dass der Schotte bereits im Mutterleib mit chippen und putten angefangen haben muss. Denn wie sonst kann es sein, dass er die Bälle mit einer Leichtigkeit rund 300 Meter ans andere Ende der Driving Range haut? Von solchen Aktionen sind wir staunenden Übrigen weiter entfernt als der Mond von der Erde. Und werden es wohl auch noch eine ganze Weile bleiben. Unser Schotte spiel nämlich tatsächlich seit geschlagenen 55 (fünfundfünfzig!) Jahren Golf.

Schinken oder Steak?

So schlagen wir uns während zwei Tagen nicht nur mit Bällen herum. Etikette, Regeln, komische neue Wörter wie Par und Rough und Mulligan. Wir lernen, dass es zwei Strafschläge gibt, wenn man den eigenen Golfsack trifft, man aber straflos davonkommt, sollte man aus Versehen den Mitstreiter abschiessen. Wir bekommen jede Menge Equipment, von Schläger und Ball mal abgesehen, gibt es zahlreiche Tees, ein Extra-Dings, um den Rasen nach dem Schlag wieder in Ordnung zu bringen, wenn man einen Divot rausgehauen hat (das rausgeschlagene Rasenstück sollte übrigens die Grösse und Dicke einer Scheibe Schinken, nicht Steakgrösse haben). Und für die Optimisten unter uns: Wer ein Hole-In-One schafft, muss eine Runde zahlen. Allen, die es gesehen haben. Kann teuer kommen. Zum Glück geht uns das die nächsten Jahre noch gar nichts an.

Nerven bewahren

Fazit auf halbem Weg zur Platzerlaubnis: Der Abschlag ist nicht der Start, das Fairway nicht die Rennstrecke, das Green nicht der Zieleinlauf und das Loch nicht der Gipfel des Triumphs. Nein, was ich gelernt habe an diesem Wochenende ist vor allem dies: Der Abschlag ist die Angst des Penaltyschützen vor dem Elfmeter – hoch zehn. Das Fairway ist der nie enden wollende Weg aus der Misere. Das Green nicht etwas das Licht am Ende des Tunnels sondern das nächste tief hängende Damoklesschwert. Und ganz am Schluss das Loch. Keine Ahnung von dem. Der Weg ist nicht das Ziel. Das Ziel ist, die Nerven bewahren. Geduld, Geduld, Geduld – fast ein bisschen wie an einem ganz normalen Wahnsinnstag in der Agentur.